Montag, 5. Dezember 2011

Schrei vor Glück

Meine Laufschuhe stehen gut vor fremden Blicken verborgen in unserem Heizungsraum. Nur zweimal im Jahr werden sie von der für die Außendarstellung verantwortlichen Abteilungsleiterin unserer Familie kurzzeitig ausgelagert, als ob von den Hightech-Tretern eine ansteckende Gefahr ausgeht: nämlich dann, wenn der Heizungsmann oder der Schornsteinfeger seinen Besuch angekündigt hat. Den Rest des Jahres wird der Abstellort akzeptiert, der Rest der Familie verzichtet einfach darauf, diese Tür zu öffnen.

Schuhe putzen gehörte noch nie zu meinen ausgeprägten Leidenschaften - abgesehen von den 2 Jahren, in denen mein Arbeitgeber sehr hohen Wert auf täglich geputzte Kampfstiefel legte. Folglich scheuen sich meine Laufschuhe auch nicht zu zeigen, auf welchem Terrain sie die letzten Kilometer zurückgelegt haben. Damit das nur selten Auswirkungen auf den Haussegen hat, bedarf es eines vorsichtigen Umgangs. Manchmal lässt es sich aber trotz größter Voraussicht nicht vermeiden, kaum, dass man für die nächste Laufrunde vollständig herausgeputzt hat, noch aus der Küche etwas zum Trinken oder die vergessene Mütze aus dem Schlafzimmer holen zu müssen, während man auf diesem Weg kleine Sandhäufchen auf den frisch shampoonierten Teppich hinterlässt.

In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember ist das anders. Dem Nikolaus soll es angeblich wichtig sein, dass unsere Schuhe geputzt sind. Nach eigener Beobachtung haben die Lauffreunde damit weniger Probleme als ich: Abus Schuhe werden erst gar nicht so alt, als dass sie dreckig werden könnten; nach 800 Kilometern aussortiert, sehen sie immer noch wie Vorführmodelle aus, Dieter weiß vermutlich nicht mehr wo seine zwei Paar sind, Ulli trägt immer neue Schuhe (was auch an den langen Abständen liegen könnte, zu denen er immer wieder mal beim Training erscheint), CBTs Schuhe werden nicht schmutzig, weil er auf Rad und im Wasser nicht den Boden berührt, Werner lässt seine Schuhe vom Meister pflegen und die Sieben+ Gruppe orientiert sich an alten Tugenden und hat daher per se gut geputzt Schuhe. Nur bei Klaus B. vermute ich eine Seelenverwandtschaft, weil er immer nur im Dunkeln oder alleine läuft.

Und ich? Ich werde einfach versuchen, auf die Sehschwäche des alten Nikolaus zu setzen und stelle meine Treter ungeputzt und wie-vom-Training-kommend vor die Tür. Und wenn es nicht klappt? Na ja, wer will denn auch schon Obst und Schokolade essen, die eine Nacht in Schuhen gesteckt haben, die schon mehrere Marathons gelaufen sind. Ich, ehrlich gesagt, nicht!

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